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Der Zauber des Regens

Autor: Mia | Datum: 25 Juni 2016, 17:13 | 0 Kommentare

In Kamerun gibt es anders als in Deutschland keine vier Jahreszeiten.

Es gibt Trockenzeit und es gibt Regenzeit.

Mit meiner Ankunft Mitte November habe ich den Regen verpasst und lange Zeit nicht gesehen.

Die Sonne brannte voller Stärke auf die kamerunischen Landschaften, auf die Straßen Mbouos herab.

Sie zog jeden Tropfen Wasser aus den Straßen, die mit einer zunächst feinen und dann aber immer dicker werdenden Schicht aus rutschigem Staub bedeckt waren.

Die Blätter der Pflanzen wurden jedes Mal mit den roten Staubkörnern bedeckt, wenn jemand über die Straße ging und mit jedem Schritt kleine Sandstürmchen auslöste.

 

Langsam wurde die grüne Farbe, die mein erster Eindruck von Kamerun war, immer blasser, die Bohnen auf dem Feld vertrockneten (genau so wie es auch sein muss).

 

Einmal im Januar regnete es, dann nicht mehr.

Bis Ida aus Deutschland kam und den Regen mitbrachte.

Er fiel noch nicht so regelmäßig wie jetzt, aber er fiel.

Mbouo sah aus wie frisch gewaschen, herausgeputzt, um sich meiner Schwester noch ein bisschen hübscher als sonst zu präsentieren.

Die Blätter der Bananenbäume strahlten in sattem grün, kleine zart lilane Blumen lugten zwischen den Maniokpflanzen hervor.

 

Dann verschwand der Regen wieder ein bisschen, die „kleine Trockenzeit“ hatte begonnen.

Doch nach ca. einem Monat begann ein Wind aufzukommen.

Er zauste die Blätter der Guavenbäume, rüttelte an den Ästen, die voll bepackt mit Avocados hingen und ließ die Blätter der Bananenstauden aneinanderschlagen und sie den Klang des Regens imitieren.

Das Leben verschwand für kurze Zeit von den Straßen Mbouos; die Menschen verzogen sich unter trockene Dächer, am liebsten das eigene, die Entenfamilie, die sonst immer über unseren Hof spaziert versteckte sich in ihrem Schlafplatz und auch der Hahn rannte nicht mehr stolpernd zwischen seinen Hennen herum.

Die Schweine von Madame Marie und Monsieur Gaston grunzten nicht mehr um die Wette und auch ihre Ziege lief nicht mehr zwischen den sauber gepflanzten Reihen Mais umher, den durchgekauten Strick hinter sich her schleifend.

 

Und in dieser Stille war er dann zu hören und zu sehen.

Zunächst nur ein leises Rauschen der Regewand ein paar hundert Meter entfernt.

Dann langsam immer lauter werdend, die ersten Tropfen fallen aufs Dach und dann beginnt der Regen.

Zunächst sanft, dann aber immer bestimmter und mit anschwellender Kraft trommelt er auf das Dach, zwischendrin wirft der Donner seine Stimme in das Lied des Regens, manchmal verhalten und kurz, manchmal so energisch, dass die Wände wackeln.

Wenn sie Lust haben, dann kommen auch ein paar Blitze hinzu und tanzen zur Melodie.

An manchen Tagen warten sie auf Regen und Donner, an manchen Tagen können sie es nicht erwarten und zucken bereits vor der eigentlichen Show über den Himmel und erleuchten ihn manchmal sekundenlang.

 

Während der Regen fällt habe ich immer das Gefühl, dass die Welt stillsteht.

Außer den Tropfen ist nichts zu hören, will man sich unterhalten, so muss man sich anschreien.

Keiner ist auf den Straßen, egal ob die Schule in zwei Minuten anfängt oder nicht, solange, bis der letzte Tropfen gefallen ist, gibt es keine Termine.

 

Und sobald es vorbei ist, beginnt die Zeit weiterzulaufen, der Hahn rennt wieder über den Hof und fällt bei jedem schlurfenden Schritt fast vorne über, die Entenfamilie begibt sich gemeinsam auf die Suche nach etwas zu essen, die Schweine beginnen wieder sich anzugrunzen und die Ziege wird draußen angebunden.

Solange, bis der nächste Regen kommt – oder sie wieder ihren Strick durchkaut.

 

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