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Der Nationale Feiertag (20.05.2016)

Autor: Mia | Datum: 25 Juni 2016, 17:11 | 0 Kommentare

Seit Wochen wehen nun schon Trommelschläge, der Klang von Blockflöten und leidenschaftliche Kinderstimmen durch die geöffneten Fenster der Maternelle herein.

Mit großer Disziplin wird für den Marsch am 20.05 auf dem dafür vorgesehenen Platz in Bandjoun geübt.

 

Während die Maternelle und alle nicht ausgewählten Schüler nun für ein paar Tage von der Schule befreit sind, wird es für den Rest ernst.

Der Musiklehrer läuft zwischen den penibel aufgereihten Schülern hindurch und korrigiert letzte Feinheiten:

Einige laufen nicht auf der exakten Schulterlinie mit ihren Reihenpartnern, andere sind nicht perfekt hinter ihrem Vordermann eingereiht.

Nun wird noch die Gruppe der Flötenspieler und Trommler an verschiedenen Stellen positioniert, dann müssen auch die Lehrer und ich ran.

Wer am 14.02. , der „Fête de la Jeunesse“ (dem Jugendtag) nicht bereits mitmarschiert ist muss nun ran.

Also auch ich, da ich über den 14.02. mein Zwischenseminar hatte und so verhindert war, bin nun also auch ich an der Reihe.

Zum Glück reicht es, dass ich nur nebenher laufe und dabei gut aussehe, die Tanzchoreographie bleibt für die Schüler.

und tatsächlich ist es trotzdem gar nicht so einfach, da der Festplatz in Bandjoun eine scharfe Kurve besitzt und wir die schon mal üben. Gar nicht so einfach, hier auf der Schulterlinie mit den anderen zu bleiben und gleichzeitig noch bei den Reihen vor und hinter mir darauf zu achten, dass sie dieses einhalten.

 

Und schon ist es soweit. Auf den allerletzten Drücker ist das Ensemble aus reich bestickten Oberteil und Rock fertig geworden, das Diane, „meine Schneiderin“, nach der Vorlage von Madame Charlys gefertigt hat.

Auf dem Parkplatz des Zentrums von Mbouo steht bereits ein großer Reisebus bereit, der Madame Beatrice, Madame Marie und mich, sowie zahllose Schüler und Studenten einlädt und zum Ziel bringt.

Angekommen bietet sich ein Bild dass ein wenig an das des Frauentages erinnert:

Unzählige Menschen: Schüler aller (oder der meisten) Schulen Bandjouns, Studenten und Zuschauer.

Alle, die heute noch marschieren müssen tragen eine je nach Schule einheitlich abgestimmte Farbe.

Unsere Schule läuft zum Beispiel in hell- und dunkelgrün, die Lehrer in Schlammgrün mit türkisem Muster.

Dann gibt es eine Schule, deren Schüler schwarz-weiß tragen.

Etwas heraus fällt das CPF (Centre Polyvalence de Formation), das in direkter Nachbarschaft zur Schule gelegen ist und sich unter anderem mit Solarenergie und Landwirtschaft beschäftigt und hier auch Studenten ausbildet: Die Studenten des CPF haben zwar teilweise ihre schicken Businessuniformen an, teilweise aber auch die grünen Anzüge und Gummistiefel, mit denen sie auf dem Feld arbeiten. Unter anderem tragen sie auch ein paar Solarpanelen über den Festplatz.

 

Wir steigen aber nun zunächst die Steigung, die später wieder herabgestiegen werden muss hinauf, den Rücken zum Festplatz, bis ganz auf die Spitze und erreichen die bereits versammelten Schüler und Lehrer.

Im Moment sind sie schwer beschäftigt, jedem Schüler ein grünes, rotes oder gelbes Band um den Arm zu binden – die Farben der Kamerunischen Flagge.

Alle Schüler sind homogen in ihrer extra für diesen Anlass angeschafften Uniform gekleidet, die Füße in strahlend weißen Socken in blank geputzten schwarzen Schuhen.

Und bald ist es auch schon so weit, wir steigen den Berg wieder hinab und sind an der Reihe.

Und nach ungefähr einer Minute ist es dann auch schon vorbei.

Alles hat gut geklappt, eine Platzierung unter den ersten drei Plätzen gab es zwar meines Wissens nach nicht, aber das stört meine Kollegen wenig.

Denn sie haben gehört, wie viele darüber geredet haben, dass eine „blanche“ (Weiße) bei ihnen mitgelaufen ist. Die Publicity, die sie sich als netten Nebeneffekt erhofft hatten.

Denn in Mbouo gibt es seit einigen Jahren neben der privaten und damit kostenpflichtigen Schule, eine öffentliche und damit weitestgehend kostenfreie Alternative. Daher hat sich die Zahl der Schüler deutlich verringert (vor der öffentlichen Schule gab es, abgesehen von der Maternelle, jede Klasse zweimal, mittlerweile je einmal).

Laut Madame Béatrice hatte eine Schule aus Bafoussam vor ein paar Jahren auch eine Freiwillige und nachdem sie zusammen mit der Schule marschiert ist, seien die Anmeldungen für das neue Schuljahr explodiert.

Ich hoffe sehr, dass die Erwartungen meiner Kollegen nicht furchtbar enttäuscht werden, falls es diese für die Schule positiven Konsequenzen hervorbringt, dann ist es doch einmal schön, aus der Menge herauszustechen.

 

Nachdem die Kinder nach Hause geschickt sind, geht es für die Lehrer weiter in eine Schule, wo zusammen mit deren Lehrern etwas getrunken und gegessen wird.

Währenddessen werben Monsieur Pierre und Monsieur Gaston, die beide gewählte Vertreter der Lehrer in der Region sind, für ein Versicherungssystem, bei dem jeder Lehrer monatlich 1% seines Gehaltes abgibt.

Hintergrund ist der, dass die EEC (Église Evangelique du Cameroun) wohl oftmals mit der Auszahlung der Gehälter in Verzug kommt und somit die Betroffenen vor finanzielle Probleme stellt.

 

 

Ich allerdings habe derweil mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, denn der von Madame Charly und Madame Béatrice erdachte Schnitt ist zwar ganz schön, allerdings auch ganz nach Madame Béatrices Devise „junge Mädchen wie Du, die noch keine Kinder bekommen haben, sollten dann und wann ihre Kurven zeigen!“.

Und das tut das Ensemble, der Rock ist so eng geschnitten, dass ich ihn vor dem Hinsetzen etwas hochziehen muss, um die Explosion zu verhindern, hat gleichzeitig aber vorne einen hohen Schlitz, der dann hier wiederum etwas mehr, als die Komfortzone entblößt. Hinzu kommt, dass das Oberteil das Essen und Trinken weitestgehend verbietet, mehr aus Höflichkeit, als aus Hunger klappt es aber doch irgendwie.

Das riesige belegte Baguette schaffe ich irgendwie, mein Getränk erledigt sich von selbst: Bei dem Versuch, den Kronkorken an der Tischkante zu öffnen fällt Ida ein Stück Glas in die Flasche, also darf ich nicht mehr aus ihr trinken.

Das ist aber sowieso wenige Minuten später vor bei, als Ida sich umdreht, um mir etwas zu erzählen und mit dem Arm die Flasche vom Tisch fegt. „Mach Dir nichts draus, manche Flaschen sind einfach nicht dazu gemacht, dass sie ausgetrunken werden.“

Was für ein Glück, denn damit ist mein Oberteil vor dem Platzen gerettet.

 

Allerdings nur für kurze Zeit, denn schon geht es weiter zu einer Bar, in der die nächste Runde Baguettes geholt, belegt und mit einem Getränk heruntergespült wird.

 

Entgegen meiner Erwartungen halten die Nähte allerdings weiterhin und überstehen auch die Taxifahrt nach Mbouo.

Eigentlich müsste man jetzt bis zum Morgengrauen feiern, meine Party findet allerdings zu Hause und vor allem in anderen Klamotten statt.

 

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