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Glückwunsch, es ist eine Malaria. (06.04.2016)

Autor: Mia | Datum: 26 April 2016, 22:21 | 0 Kommentare

"Jetzt reicht es, wir fahren ins Krankenhaus!", entscheiden Béatrice und Charly entschieden am Mittwoch. 

Anscheinend habe ich es doch nicht alleine mit meinen  mir verschriebenen Medikamenten gegen die Malaria (oder "palu", wie sie hier genannt wird) geschafft. 

Schnell werden mein bereits am Montag erstandenes Krankheitsblatt, meine Medikamente und eine dicke Decke eingepackt und ich auf den Rücksitz des Autos verfrachtet. In Blitzgeschwindigkeit fahren wir zu dem eigentlich gemütlich zu Fuß erreichbaren Krankenhaus. 

Dort werde ich wie eine Schwerverletzte, von drei Leuten gestützt, in eines der freien Betten der Intensivstation verfrachtet. 

Zu meiner großen Erleichterung bleibt die energische Béatrice bei mir, die man wirklich nicht auf dem falschen Fuß erwischen möchte. Besonders das verschlafen etwas schief sitzende Haarnetz unterstreicht ihre Energie noch. 

Schnell bekomme ich eine Infusionsnadel in die Hand geschoben, zu meiner Beruhigung von einem anderen bekannten Gesicht, einer anderen Nachbarin, die mich in den folgenden Tagen noch oft besuchen und behandeln wird. 

 

Und dann folgt der Auftritt des halbgottes in weiß:

1000 Fragen prasseln auf mich nieder: letzte Mahlzeit, letzter Aidstest (wollen wir den nicht auch jetzt direkt machen, wo du schonmal da bist?),...

"Schläfst du unter einem Moskitonetz?" "nein" "warum" " weil es auf dieser Höhne quasi keine Malariamücken gibt, das habe ich mir woanders eingefangen" "you are wrong", bekomme ich mit finsterem Blick an den Kopf geworfen. Wenige Sekunden später erstrahlt wieder das perfekt eingeübte Lächeln des jungen Arztes. 

 

Langsam beginnt alles zu einem Brei zu werden, lauter Leute, die um mich herumstehen und mit mitleidigem Blick fachsimpeln. Und auf einmal der Geruch von Kirschkuchen. 

Eine kleine Geste und ich fühle mich geborgen, wie bei Muttern auf dem Schoß.

Mit vorsichtigen aber geübten Bewegungen schiebt mir mein Mentor Blaize einen Löffel mit in warmer, süßer Milch aufgeweichtem Brot in den Mund. 

"Es schmeckt, oder? Und wenn nicht, dann musst Du Dich einfach zwingen!"

 

Und kurze Zeit später der nächste Teller: Reis mit Tomatensoße und Fischkopf, zubereitet von der Direktorin der Maternelle, Madame Nono und Madame Marie, der ich in der Petite Section assistiere. 

"Wir finden ein anderes Zimmer für Dich, das hier ist teuer und hässlich! Ruf deine Schwester aus Baham an, sie soll kommen!", flüstert Madame Nono mir ins Ohr und bleibt neben mir sitzen, bis mein Gastpapa sie ablöst.

Schnell kommt Josi und ich darf umziehen, ein Doppelzimmer für mich und Josi - ob sie will oder nicht, auf Beschluss der versammelten Nachbarschaft, die sich nun hier befindet bleibt sie bei mir.  Denn eine erkrankte Person lässt man niemals alleine (auf jeden Fall nicht im Krankenhaus)!

 

Und so richten wir uns so bequem es eben geht ein und überstehen gemeinsam die quälenden Schwesternbesuche zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und ich bin wirklich mehr als glücklich, nicht alleine in meinem Zimmer zu sein!

 Samstagmorgen ist dann die Zweisamkeit vorbei, Baham ruft und ich bleibe alleine zurück, unendlich dankbar dafür, bis jetzt nicht alleine gewesen zu sein. 

Wenig später tanzt die jüngste Tochter von Madame Marie und Monsieur Gaston in einem mit Rosen besetzten Traum in weiß in mein Zimmer und drückt mir einen kleinen Topf mit Makabo (geschmacklich und visuell ungefähr mit einer Kartoffel vergleichbar) mit Légumes ( geschmacklich und visuell, je nach Zubereitung, ungefähr mit Spinat vergleichbar) in die Hand und schwebt mit einem Lächeln auf den Lippen wieder in die warme Luft des jungen Tages. 

Wenig später schiebt sich ein Kopf durch den Türrahmen. Eine der Krankenschwestern.

"Du isst aber nicht die Légumes und Makabo in dem Topf da oder? Davon bekommst du Flitzekacke!", schnappt mir meinen gerade errungenen Schatz aus der Hand, fummelt eine Gabel hervor und nimmt einen großen Bissen. 

"Eigentlich isst man ja nicht das Essen der Patienten auf - aber mein Tag ist echt schon lang und ich habe total Hunger!", mampft sie mit vollen Backen. 

" Sehr lecker!", lautet ihr abschließendes Urteil und strahlt mich dabei glücklich an. 

Perplex von der Absurdität der Situation Stimme ich ihr lächelnd zu. Das war es bestimmt. Naja, ein kleiner Rest bleibt mir noch. 

 

Und wenig später ist es endlich soweit, obwohl die Kasse bereits um 18 Uhr zugemacht hat (und somit die Möglichkeit der Entlassung), darf ich nach länger Verhandlung nach Hause gehen - was für ein Glück, dass sich mein junger Halbgott bereits früher am Tag von meiner Gesundheit überzeugen konnte. 

Die letzte Infusion ist fast durchgelaufen, trotz vieler heimlich mit einer vergessenen Spritze hinzugestochenen Löcher, langsamer, als erhofft. Ein kleiner Bluterguss aus der Infusionshand lenkt jedoch die Krankenschwestern von dem kleinen Rest ab und endlich heißt es Abschied nehmen vom Krankenhaus, das ich ab nun hoffentlich nur noch von außen sehen werde! 

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